Wissenswertes zur Osteopathie

Die Ende des 19ten Jahrhunderts entwickelte Osteopathie ist noch eine relativ junge - aber dennoch weltweit anerkannte Therapieform.
Sie wurde ursprünglich beim Menschen eingesetzt und in den 70er Jahren auf die Tiermedizin übertragen. Hier haben vor allem französische Tierärzte und Osteopathen wie F. Lizon und D. Giniaux eine entscheidende Rolle gespielt. In der Osteopathie wird der Körper als Einheit gesehen, in der alles miteinander verknüpft ist. Ist ein Bereich gestört, kann das Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.


Wie funktioniert Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine manuelle Behandlungsform. Manuell bedeutet, dass der Therapeut allein mithilfe seiner Hände arbeitet. Man unterscheidet energetische und strukturelle Osteopathie. Entsprechend ausgebildete Therapeuten kombinieren beide Formen miteinander

und sind so in der Lage, ein sehr umfangreiches Indikationsspektrum abzudecken und kontrolliert einzusetzen. Die verschiedenen Formen wie Kraniosakrale Osteopathie, Fasziale Osteopathie, Viszerale Osteopathie und Mechanisch, strukturelle Osteopathie kommen dabei in unterschiedlicher Weise, individuell angepasst, zum Einsatz. Im ersten Schritt macht sich der Therapeut ein genaues Bild von der Beweglichkeit des Tieres und sucht Blockaden sowie gestörte Bereiche. Anschließend entscheidet er, mit welchen Techniken er diese Blockaden und Störungen lösen kann. Das Lösen dient dabei als Impuls, der dem Körper hilft, Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen. Eine osteopathische Behandlung ist nicht schmerzhaft und wird bei korrekter Anwendung vom Tier gut toleriert und als angenehm empfunden.



Wann wird Osteopathie bei Pferden eingesetzt?

Mithilfe der Osteopathie sind vor allem akute und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates (die z.B. durch Stürze, Unfälle oder Überbelastung verursacht wurden) sowie Organstörungen sehr gut behandelbar.


Osteopathie als Präventionsmaßnahme

Die Prävention von Störungen und Krankheiten ist nur einer von vielen Gründen, weshalb die Osteopathie regelmäßig und vorsorglich von Spitzensportlern (ob Mensch oder Tier) genutzt wird. Viele Sportpferde werden schon vor und während der Trainings- und Turnierphase von speziell in Naturheilverfahren ausgebildeten Therapeuten untersucht und behandelt. Osteopathie eignet sich hervorragend zur Vorbeugung ernsthafter Schäden bei bereits vorhandenen, jedoch noch nicht erkennbaren Störungen. Auf diesem Weg kann einer großen Anzahl von Tieren die Qual von Erkrankungen, sowie den Besitzern und Reitern eine Menge Frust erspart werden.



Therapie von Pferden im Breitensport und Freizeitbereich

Osteopathie bleibt jedoch nicht nur den Spitzensportlern vorbehalten. Es zeigt sich, dass immer mehr verantwortungsbewusste Pferdebesitzer aus dem Breitensport oder dem Freizeitbereich ebenfalls auf dieses effektive Verfahren zurückgreifen. Selbstverständlich können auch andere Tiere (wie z.B. Hunde und Katzen) mittels Osteopathie behandelt werden.




Beispielliste zur osteopathischen Therapie bei Pferden

  • vorbeugende Behandlung bei noch nicht offensichtlich erkennbaren Störungen
  • Turnier- und Prüfungsvorbereitung
  • Leistungsabfall
  • unterschiedliche Lahmheitsformen
  • steife, eingeschränkte Bewegung
  • schlechte Kopf-, Hals- und Schweifhaltung
  • Widersetzlichkeit
  • Taktfehler
  • Kopf- und Schweifschlagen
  • Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme
  • Muskelprobleme
  • Verstauchungen, Verrenkungen
  • Entzündungen der Kopf- und Nasenhöhlen
  • Headshaking
  • Probleme mit dem peripheren Nervensystem
  • Vegetative Nervenstörungen
  • Verschiedene Organstörungen (Atemwege, Herz- Kreislauf, Verdauung, Niere)
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Lymphstau
  • Durchblutungsstörungen
  • Narben
  • Gewebsverklebungen
  • Gestörtes Immunsystem

Wo liegen die Grenzen der Osteopathie?

Osteopathie ist keine Notfallmedizin. Schwere, akute Erkrankungen (z.B. Verletzungen, Brüche, Blutungen, Koliken, Fremdkörper, Organstörungen, akute Infektionen) und gravierende Verhaltensstörungen müssen primär schulmedizinisch oder anderweitig behandelt werden. Störungen, die durch die Selbstheilungskräfte des Organismus nicht regulierbar sind, können auch mittels Osteopathie nicht behandelt werden. Die Osteopathie ist nicht in der Lage zerstörte Strukturen zu heilen. In vielen Fällen ist nur ein naturheilkundlich orientierter und ausgebildeter Tierarzt in der Lage, hier eine korrekte Grenze zu ziehen und die richtige Entscheidung zu treffen.

Fazit

Die Osteopathie erlaubt Eingriffe in körperliche Störungen, die noch regulierbar sind. Zerstörte Strukturen können nicht wieder geheilt werden, jedoch sind deren Folgeerscheinungen (z.B. Schonhaltungen) gut therapierbar. Die Osteopathie ist zudem mit anderen naturheilkundlichen Verfahren wie z.B. Akupunktur oder Homöopathie gut kombinierbar. Diese Verfahren ergänzen sich teilweise in herausragender Weise und werden von entsprechend ausgebildeten Tierärzten bevorzugt kombiniert eingesetzt. Auch die Kombination mit schulmedizinischen Therapieverfahren ist in vielen Fällen möglich und sinnvoll.